6 Fragen an einen Verantwortlichen für Health & Safety

10. August 2021


Bertrand Léger ist seit mehr als 15 Jahren bei ENGIE im Bereich der Risikoprävention tätig. Im Juli 2020 übernahm er die Verantwortung für Health & Safety in der Romandie, in der von Charlotte Lebrun geleiteten Abteilung HSQE (Gesundheit, Sicherheit, Qualität, Umwelt). Er erzählt uns, wie er zu diesem Beruf gekommen ist und wie sein Alltag aussieht.

Portrait Bertrand Léger

1. Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Jeder Tag steckt voller Überraschungen – so könnte ich meinen Alltag beschreiben.

Da das Thema Prävention viele Bereiche des Unternehmens betrifft, greife ich auf mehreren Ebenen ein. Ich befasse mich mit überaus technischen Themen wie der Sicherheit bei Arbeiten in der Höhe oder mit der Definition unserer Standards in Bezug auf die Drucktechnik, aber auch mit der Schulung der Mitarbeitenden. Ich erstelle Kommunikationsmittel, teile Erfahrungen, führe Audits und Sicherheitsbesuche durch und behalte wichtige Indikatoren im Blick. Leider muss ich manchmal vor Ort tätig werden, wenn Unfälle passiert sind, um die Ursachen zu klären, damit sich die Unfälle nicht wiederholen.

Mein Beruf beruht prinzipiell auf drei Achsen:

  • Förderung von Gesundheit und Sicherheit auf allen Ebenen des Unternehmens
  • Kontrolle von Sicherheitsmassnahmen
  • Beratung der operativen Mitarbeitenden bei ihren eigenen Sicherheitsaufträgen

2. Was gefällt dir am besten an deinem Beruf?

Mir liegen besonders die Interaktionen mit meinen Kolleginnen und Kollegen sowie den Kundinnen und Kunden am Herzen. Ich finde es wichtig, mit anderen zusammenzuarbeiten, zu teilen und den Faktor Mensch in den Mittelpunkt meiner Aufgaben zu stellen.

Ausserdem ist mir das Gefühl wichtig, meinen Kolleginnen und Kollegen zu helfen – manchmal gegen ihren Willen, aber immer mit dem Ziel, ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre Sicherheit zu schützen.

Insgesamt gefällt mir am besten, dass ich zur Sicherheit bei allen Unternehmensaktivitäten beitragen kann.

3. Was siehst du als grösste Herausforderung?

Die Ambitionen und Leitlinien des Unternehmens in Prozesse umzuwandeln, die tagtäglich angewandt werden.

Das Thema Sicherheit geht alle an und erfordert eine vorbildliche Betreuung, was im Alltag einschränkend wirken kann. Doch würde unsere Wachsamkeit auch nur geringfügig nachlassen, hätten wir es schnell mit einem Anstieg der Unfälle oder der gefährlichen Situationen zu tun. Ich mache mich daher gemeinsam mit dem HSQE-Team ständig für die Sicherheit stark und suche nach innovativen Lösungen. Wir kommunizieren klar und deutlich, um alle abzuholen und – noch wichtiger – um alle davon zu überzeugen, sich diesem wichtigen Unternehmensziel anzuschliessen. Denn bei uns ist jeder Mitarbeitende für die Prävention und Reduktion von Risiken mitverantwortlich.

4. Was macht einen guten Verantwortlicher Health & Safety aus?

Ein Verantwortlicher für Health & Safety muss überzeugend sprechen, zuhören und handeln, um seinen Auftrag erfüllen zu können.

Technisches Fachwissen, das über den regulatorischen Aspekt hinausgeht, ist ebenfalls essenziell, um die passenden Massnahmen zu implementieren. Allerdings muss man Vorschriften manchmal, wenn es die Situation erfordert, auch einfach mit Nachdruck durchsetzen.

Wir müssen uns bewusst sein, dass wir als Sicherheitsspezialisten im Sinne des Arbeitsgesetzes für unsere Entscheidungen und Empfehlungen strafrechtlich verantwortlich sind.

5. Wie wird man Verantwortlicher Health & Safety?

Nachdem ich Umweltmanagement studiert hatte, konnte ich sowohl am Centre de Recherche Industriel du Québec (CRIQ) als auch bei MATRA Automobile wertvolle berufliche Erfahrungen sammeln, die mich dazu veranlasst haben, eine Spezialausbildung im Bereich «Sicherheit am Arbeitsplatz» zu machen.

Danach wechselte ich zur ENGIE-Gruppe, in die Sicherheitsabteilung der Technischen Direktion von COFATHEC (GDF). Während der Fusion von GDF und SUEZ konnte ich an der Entwicklung des Sicherheitssystems von COFELY France mitwirken. Dort habe ich das Instrument zur Bewertung der beruflichen Risiken aufgebaut.

Im Jahr 2013 konnte ich dank interner Mobilität zu MINERG-APPELSA Services wechseln. Dort unterstützte ich Jean-François DUFOUR im HSQE-Prozess und begleitete das Unternehmen bei der Erlangung seiner Sicherheits- und Umweltzertifizierungen. 2016 liess ich mich in SUVA-Kursen zum Sicherheitsingenieur EKAS ausbilden.

Im Juli 2020 habe ich, unterstützt vom HSQE-Team vor Ort, die Verantwortung für Health & Safety in der Romandie übernommen. In dieser Funktion trage ich zur Schaffung einer gemeinsamen Sicherheitskultur und eines wirksamen Präventionskonzepts bei.

Meine Karriere wurde von wichtigen Begegnungen, technischen Gesprächen und von (manchmal sehr) leidenschaftlichen Debatten geprägt, die mich in meiner Entwicklung voran brachten, aber leider auch von Krisen und Arbeitsunfällen. Nach solch schlimmen Situationen konzentrieren wir uns noch stärker darauf, Mitarbeitende wie auch Subunternehmer in den Mittelpunkt unserer Anstrengungen zu stellen, unabhängig vom immer stärker werdenden Termin- und/oder Finanzdruck.

6. Wie hat sich deine Arbeit durch die Coronakrise verändert?

Vor der Krise arbeiteten wir an theoretischen Krisenszenarien und Business-Continuity-Plänen. 2009 haben mit der Vogelgrippe H1N1 zwar eine Art Pandemie erlebt, doch das hat uns nur bedingt auf die Coronavirus-Pandemie vorbereitet. Wir mussten uns wie noch nie zuvor anpassen.

Die HSQE-Abteilung stand im Mittelpunkt des Kontinuitätsplans, um Vorschriften anzupassen, spezifische Hygienemassnahmen vorzuschlagen, Protokolle zur Wiederaufnahme der Tätigkeiten abzusegnen, Kunden über die neuen Massnahmen und Vorschriften zu informieren, chirurgische und FFP2-Masken sowie Desinfektionsmittel zu koordinieren und bereitzustellen sowie die Ansteckungen zu überwachen und Kontakte zurückzuverfolgen.

Es war eine Zeit, in der die Solidarität zwischen den Abteilungen, insbesondere zur Personal- und IT-Abteilung, von entscheidender Bedeutung war, damit das Betriebspersonal so gut wie möglich arbeiten konnte.

Unsere Arbeit im Bereich Health & Safety wurde aufgrund der Krise stärker wahrgenommen. Die gewonnene Glaubwürdigkeit gilt es bei aktuellen wie auch künftigen Sicherheitsfragen aufrechtzuerhalten.

Die Arbeit im Homeoffice ist eine derartige Frage. Ich konnte die Vorteile und Grenzen für mich persönlich ausloten und ein Gleichgewicht zwischen meinem Berufs- und Privatleben finden. Meine Lebensqualität bei der Arbeit hängt jedoch auch von «echten» Kontakten mit meinen Kollegen ab, sei es bei einem Kaffee in der Cafeteria oder um einen Tisch auf der Baustelle. Denn Sicherheit betrifft alle – auf der Baustelle und im Büro.