6 Fragen an eine IT-Projektmanagerin

28. Oktober 2021


Als IT-Projektmanagerin wird es dir nie langweilig: jedes Projekt bringt andere Anforderungen mit sich und immer lernt man etwas Neues dazu. Krisztina Barany, IT-Projektmanagerin, gibt uns einen Einblick in ihren spannenden Beruf.

1. Wie sieht ein Arbeitstag als IT-Projektmanagerin aus?

In dieser Rolle gleicht kein Tag dem anderen. Ein Arbeitstag hängt vom aktuellen Projekt und der Projektphase ab. Wiederkehrende, typische Tätigkeiten sind einerseits technisch-planerisch, wie z.B. Konzepte ausarbeiten, Pläne erstellen, Anforderungen definieren, Lösungen recherchieren und testen, andererseits kommunikativ, beispielsweise Projektmeetings, Austausch in diversen Gruppen, Beratung von Standorten bei ihren digitalen Anliegen, und Wissenstransfer in Form von Webinaren und Anleitungen.

2. Was gefällt dir am besten an deinem Beruf?

Als Projektleiterin profitiere ich von einer ständigen Abwechslung von Projektthemen, und dadurch bleibt die Arbeit immer spannend. Mal befasse ich mich mit Datenmigration, mal mit der Einführung von neuen Telekommunikationsmitteln – bei jedem Thema kann man etwas Neues lernen.

Des Weiteren geniesse ich den hohen Grad an Selbstbestimmung und die Zusammenarbeit mit buntgemischten, lokalen und internationalen Teams.

Zu guter Letzt ist es unheimlich zufriedenstellend, die positive Auswirkung eines eingeführten Tools auf die Geschäftspraxis zu sehen. Im Vergleich zu 2010, als ich bei der Firma anfing zu arbeiten, haben wir einen enormen Fortschritt auf dem Weg der Digitalisierung gemacht. Unser Telefonsystem mit vollintegrierter Festnetz- und Call-Center-Lösung gilt zum Beispiel weltweit in der ENGIE-Gruppe als Vorreiter. Mein dazu geleisteter Beitrag erfüllt mich mit Stolz.

3. Was siehst du als grösste Herausforderung?

Wie rasant Technologie sich entwickelt, muss ich niemandem erklären. Das erfahren wir alle auch als Privatpersonen; immer mehr Apps, neue Geräte, regelmässige Updates und dergleichen. Mit der digitalen Evolution mitzuhalten ist jedoch für ein Unternehmen noch ein Stück komplexer. Unsere Mitarbeitenden sind häufig von den vielen Tools und ständigen Neuigkeiten überfordert. Bei dem vom Markt bzw. vom Konzern diktierten Tempo mangelt es jedoch leider oft an Ressourcen, die Mitarbeitenden mit Sensibilisierung, Schulung und kreativen Lösungen ausreichend zu unterstützen.

Ausserdem bedeuten unsere vielen Anwendungen und die technische Landschaft auch eine stets wachsende Komplexität und verzwickte Abhängigkeiten. In Projekten heisst es: trotz gründlicher Planung kann oft etwas Unerwartetes passieren, worauf wir eine schnelle Lösung finden müssen.

4. Was macht eine gute IT-Projektmanagerin aus?

An oberster Stelle stehen Planung und Priorisierung, Zusammenhänge sehen sowie Termine, Pendenzen und Ressourcen im Griff haben. Unter Termindruck bedarf es viel Fokus und Effizienz, eine hohe Arbeitsqualität aufrecht zu erhalten.

Darüber hinaus sind aber auch gewisse soziale und kommunikative Kompetenzen unerlässlich. Besonders im technischen Bereich wurden diese Aspekte früher vernachlässigt. Zu guter Projektleitung gehört Empathie mit den Anwenderinnen und Anwendern, ihre Fragestellungen und Bedürfnisse richtig zu verstehen und sie bei der Einführung von neuen Tools abzuholen, ausreichend zu kommunizieren und schulen.

5. Wie wird man zur IT-Projektmanagerin?

Mein Herzblut war schon immer im Bereich Bildung und Entwicklung, um Menschen zu befähigen, ihre Arbeit effizienter, professioneller und authentischer zu erleben. In meiner Heimat, Ungarn, arbeitete ich zunächst selbständig als Trainerin und Beraterin in Business-Englisch. Danach folgte mehrjährige internationale Erfahrung mit firmeninternen Bildungsprogrammen in diversen Ländern, für Kunden wie Hilton Hotels, KPMG, BASF oder Ericsson. Es war äusserst spannend, Einblick in eine Vielfalt an Branchen zu gewinnen, vom Buchverlag, über die Öl- und Gas-Industrie, bis hin zu Speditionsunternehmen.

Als ich von 2006 bis 2007 für ein Institut in Hong Kong arbeitete, das sich auf computergestützte Lernprogramme spezialisierte, habe ich ein Stellenangebot aus der Schweiz erhalten. Nach Ablauf meines Vertrags in Hong Kong bin ich also in der schönen Schweiz gelandet und habe die fachliche Führung einer Sprachschule als Schulleiterin übernommen. Zum Anfang kannte ich keine der Landessprachen, aber als Sprachbegeisterte habe ich schnell Deutsch gelernt, und in der Zwischenzeit verständige ich mich auch ziemlich gut auf Französisch und Italienisch.

Mein Einsatz bei (dem Vorgänger von) ENGIE hat vor über 10 Jahren, mit der SAP-Einführung begonnen. Zuerst haben sie mich temporär, als Externe für die Planung und Leitung der gesamten SAP-Schulung engagiert. Es war eine tolle Herausforderung, mit 48 internen und externen Trainern und Beratern, an über 10 Durchführungsorten die ganze modulare Trainingsserie in kürzester Zeit aufzusetzen. Damals „natürlich“ noch alles im Präsenzunterricht und mit grossen Stapeln an ausgedruckten Kursunterlagen. Nach dem Projekt hat die Geschäftsleitung mir eine Festanstellung angeboten, für die dauerhafte Zusammenarbeit und weitere spannende Projekte.

Seitdem habe ich mich ständig weitergebildet sowohl in Projektleitung und Methodologie als auch in Führung und französischer Sprache. Ich bin fester Überzeugung, dass es bei ENGIE mit Tatkraft, laufender Weiterbildung und Ambition gute Möglichkeiten gibt, beruflich weiterzukommen.

6. Wie hat sich deine Arbeit durch die Coronakrise verändert?

So unerwünscht wie diese Pandemie ist, hat sie wichtige Schritte in Richtung digitale Kommunikation und Zusammenarbeit angestossen. Bei ENGIE Schweiz hat die praktisch reibungslose Umstellung auf Homeoffice bestätigt, dass wir für unsere Branche auf zeitgemässem technologischem Stand sind. Das ist für uns im IT-Team natürlich ein grosser technischer Erfolg gewesen.

An die mit dem Homeoffice verbundene virtuelle Kommunikation, Telefonkonferenzen usw. war ich durch die Zusammenarbeit mit anderen ENGIE-Ländern schon vor der Pandemie gewöhnt. Die Arbeit zu Hause braucht etwas bewusstere Selbstorganisation, aber bietet auch Vorteile. Ich kann mir zum Beispiel in den Kaffeepausen in der grünen Oase meiner Terrasse mehr Ruhe gönnen.

Allerdings freue ich mich, wenn wir nun nicht mehr zwangsmässig zu Hause arbeiten, sondern eine ausgewogene Mischform von Büro und Zuhause etablieren können, die mehr Work-Life-Balance aber auch wieder persönlichen Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen ermöglicht.